"Meine Frau und ich haben viel vor"

Artikel aus AZ-Gescher

Zum Jahreswechsel endet im Vorstand der Volksbank Gescher das "Kapitel Bölting", das am 1. Januar 1993 begonnen hat. Nach 19 Jahren hat der 60-Jährige heute seinen letzten Arbeitstag. Für Bölting tritt Jörg Porsche ab 1. Januar 2012 in den Vorstand und leitet die Volksbank zusammen mit Ralf Frankemölle. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Jürgen Schroer blickt Bölting auf seine Zeit in Gescher und seine persönliche Zukunft.

Interview

Wie ist Ihre Gemütslage kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand?

 

Bölting: Das ist natürlich mit zwiespältigen Gefühlen verbunden, weil ich immer gerne hier bei der Volksbank gearbeitet habe und nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Aber ich freue mich auf den Ruhestand - meine Frau und ich haben noch viel vor, Städtereisen zum Beispiel.

 

In 19 Vorstandsjahren: Was hat sich verändert in der Volksbank Gescher, aber auch in der Finanzwelt insgesamt?

 

Bölting: Beim Personal, aber auch bei den Rahmenbedingungen hat sich viel verändert. Unsere Bilanzsumme hat sich in 19 Jahren von 130 Millionen D-Mark auf 160 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die Zahl der Mitarbeiter ist in dieser Zeit von 27 auf 40 Vollzeitkräfte gestiegen. Was uns in der Finanzbranche zu schaffen macht, ist die Regulierungswut. Da werden leider alle Banken über einen Kamm geschoren, obwohl wir ein ganz anderes Geschäftsmodell haben als etwa die Groß- und Landesbanken. Wir als Volksbank bedienen unseren Markt in Gescher und Hochmoor, und das wird auch so bleiben.

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Volksbank Gescher? Bleibt sie ein selbstständiges Institut?

 

Bölting: Eindeutig ja. Wir sind gut aufgestellt und sehen keine Notwendigkeit für eine Fusion. Die Selbstständigkeit unseres Institutes wird von den Kunden begrüßt und gefordert.

 

Wie wichtig ist die Einbindung der Volksbank in die genossenschaftliche Finanzgruppe?

 

Bölting: Sehr wichtig, das ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Was wir hier vor Ort nicht leisten können, wird über die Spezialisten bei der WGZ Bank abgedeckt. Das Genossenschaftsmodell hat sich über viele Jahrzehnte bewährt.

 

Stichwort Euro-Krise: Viele Menschen sind verunsichert. Glauben Sie, dass der Euro bleibt?

 

Bölting: Der Euro wird nicht kippen, ich gehe davon aus, dass sich unsere Währung stabilisiert. Das gilt zumindest für Deutschland und die harten Euroländer, zu denen ich nach heutigem Stand auch Spanien und Italien zähle.

 

Was raten Sie Anlegern, die sich Sorgen um ihr Erspartes machen?

 

Bölting: Angst haben wir bei unseren Kunden bislang nicht verspürt. Es gibt allerdings eine deutliche Neigung zu sicheren Geldanlagen, auch wenn die Zinsen unter der Inflationsrate liegen und auf absehbare Zeit niedrig bleiben werden. Auch die Nachfrage nach Gold ist bei unseren Kunden gering.

 

Wie sieht heute ihr letzter Arbeitstag aus? Gibt es eine Abschiedsfeier?

 

Bölting: Bei den Kunden habe ich mich in den letzten Wochen schon verabschiedet. Heute werde ich die Runde bei unseren Mitarbeitern machen - wir haben hier ein gutes Team. Vermutlich gibt es noch ein Feierabendbier, dann ist für mich Schluss.

 

Wie werden Sie das Mehr an Freizeit als Ruheständler nutzen?

 

Bölting: Meine Frau und ich haben einige Reisepläne, die wir in den nächsten Jahren angehen werden. Tennisspielen ist ein weiteres Hobby, das ich wieder intensivieren werde. Außerdem freue ich mich darauf, mehr Zeit mit unserem Enkelkind verbringen zu können.

 

Was wünschen Sie dem neuen Vorstandsteam der Volksbank Gescher?

 

Bölting: Natürlich viel Erfolg und jederzeit eine glückliche Hand im Kreditgeschäft - dort liegt bekanntlich das Risiko.

Volksbank Gescher eG
BLZ: 40164901